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Auto, Samstag 14 Uhr

Es war heiß im Auto, und die Klimaanlage kam nicht richtig gegen die Sonne an. Theo saß links auf der Rückbank, Wilm rechts, zwischen ihnen der leere Mittelsitz. Er spürte den hellen Streifen auf seinem Unterarm, wo die Haut rot geworden war, und wenn er den Arm wegzog, kam der gelbe Fleck nach, ein bisschen zäh, wie eine Spur. Draußen zog die Umgehungsstraße vorbei, flach, gelb, Felder links und rechts. Die Luft im Wagen roch nach warmem Kunststoff und dem Kaffee, den der Vater heute morgen am Steuer getrunken hatte. Theo zog das Handy aus der Tasche, schaute auf den Sperrbildschirm, steckte es wieder ein. Zwei Minuten später zog er es wieder heraus. Lina hatte gestern Abend geschrieben. Drei Worte, ein Emoji. Er hatte nicht geantwortet. Wilm saß auf der anderen Seite und schaute aus dem Fenster. Er trug die blaue Latzhose und das weiße Hemd, und seine Hände lagen ruhig auf den Oberschenkeln. Theo sah zum ersten Mal an diesem Tag richtig hin. Die rechte Hand lag anders als die linke — einen Millimeter tiefer vielleicht, die Finger leicht gekrümmt, als hätte jemand sie so platziert, und sie würde sie selber nicht mehr hinbekommen. Die linke Hand lag flach, wie man eine Hand ablegt, wenn man sie nicht weiter braucht. Vater sagte, ohne sich umzudrehen: „In sieben Stunden hol ich euch ab.“ Wilm nickte einmal. Theo sah es im Seitenspiegel. Sie fuhren den Luchsweg hinauf, die letzten dreihundert Meter aus Schotter und Lücken, Staub stand in der Luft. Das Schild kam in Sicht: Morgenrot, Luchsweg 1–48. Vater hielt vor dem Tor, ließ den Motor laufen, stieg aus, öffnete die Heckklappe, hob die leeren Kartons heraus und stellte sie neben Wilm auf den Boden. Wilm war schon ausgestiegen. Theo auch. Vater stieg wieder ein, drückte die Klimaanlage höher, sagte: „Alles klar. Bis später.“ Er fuhr weg. Sie standen am Tor, die Kartons zwischen ihnen, der Korb mit den Broten und der Thermoskanne in Wilms linker Hand.

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